Buch trifft Spiel – im Gespräch mit Olaf Wolters

Redaktion   //   Oktober 1, 2010   //   0 Kommentare

Die Frankfurter Buchmesse widmet sich in diesem Jahr verstärkt dem Thema Computerspiel. Auf der Konferenz »StoryDrive« treffen sich etwa Experten aus unterschiedlichsten Branchen und tauschen sich über narrative Konzepte und gemeinsame Ansätze aus. In unserer Interviewreihe sprechen wir mit Branchenprofis über die zunehmende Medienkonvergenz und gehen unter anderem der Frage nach, was Buch, Film und Spiel voneinander lernen können.



Making Games Wie bewerten Sie die Ambitionen der Buchmesse, sich verstärkt auch an die Branchen Film und Games zu richten?
Olaf Wolters Das ist ein Trend, den wir sehr begrüßen, zumal Leser auch Gamer sind und umgekehrt. Unzähligen Filmen haben Bücher als Vorlage gedient – und damit indirekt auch den Games, die auf diesen Verfilmungen beruhen. Mittlerweile bauen viele Games aber auch direkt auch Büchern auf. So nutzen vor allem Autoren und Verleger von Koch- und Reisebüchern oder von Wissensliteratur die interaktiven Möglichkeiten der Games, um ihre Inhalte anschaulich und spannend zu transportieren oder den Lesern einen weiteren Mehrwert zu bieten. Auf diese Weise sind viele sogenannte Serious Games entstanden, also Spiele, bei denen ein ernsthafter Nutzen – und weniger die reine Unterhaltung – im Vordergrund steht. Vor diesem Hintergrund wundert es mich nicht, dass die Buchmesse ein Auge auf die Games-Branche geworfen hat. Zumal es auch wirtschaftlich viele Berührungspunkte gibt, zum Beispiel im Bereich der Lizenzerwerbung. Große Buchtitel werden häufig nicht nur verfilmt, sondern kommen später auch als Game auf dem Markt – bestes Beispiel sind Harry Potter oder Star Wars. Das verlängert die Wertschöpfungskette eines Werkes für den Lizenzinhaber und ist damit zum Vorteil für den Literaturbetrieb.

Making Games Medienkonvergenz ist in aller Munde. Was verstehen Sie darunter?
Olaf Wolters Medienkonvergenz bedeutet für mich die gegenseitige Befruchtung unterschiedlicher Medien, wodurch neue Inhalte und Formate entstehen und technologische Neuerungen vorangetrieben werden können. So hat zum Beispiel die kreative Zusammenarbeit mit der Musikindustrie ein völlig neues Genre hervorgebracht, Musikspiele wie Guitar Hero oder Sing Star haben eine echte Erfolgsgeschichte geschrieben. Filme dienen als Vorlage für Games und umgekehrt – bestes Beispiel ist die Verfilmung von Lara Croft. Am deutlichsten aber wirkt sich die Konvergenz der Medien im Internet aus, hier sind mit den Online-, Browser- oder Social Games ganz neue Spielformen entstanden und auch die klassischen Games kommen kaum noch ohne einen Online-Modus aus. Wir erleben ein Zusammenwachsen zweier Medien, das in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen wird.
Durch die medienübergreifende Zusammenarbeit können zudem neue Technologien wie 3D schneller an den Markt gebracht werden. Ohne 3D Content kann sich das stereoskopische Fernsehen kaum durchsetzen – noch fehlt es aber an Filmen und Programminhalten in 3D-Qualität. Die Games-Industrie kann und wird hier eine wichtige Anschubhilfe leisten.

Making Games
Was können die Branchen Film, Buch und Games voneinander lernen? Wo liegen Erfolg versprechende Schnittstellen zwischen den Branchen?
Olaf Wolters Vor allem im Bereich Visual Effects und Storytelling können die Medien viel voneinander lernen und tun das auch heute schon. So ist wie beim Film auch für ein Game ein spannendes Drehbuch essenziell. Hier können vor allem die Spieleentwickler viel von der Filmindustrie lernen. Auf der anderen Seite finden sich Effekte, mit denen Game Designer arbeiten, nicht selten in Action- oder Science-Fiction Filmen wieder. Bestes Beispiel ist das Motion Capturing. Damit aus den Berührungspunkten echte Synergieeffekte werden ist es für mich entscheidend, eine Zusammenarbeit, so das gewünscht ist, so frühzeitig wie möglich zu beginnen. Wenn aus einem Drehbuch nicht nur ein Film, sondern auch ein Game werden soll – wie zum Beispiel bei Avatar – sollte das Game von Beginn an mitgedacht werden. Das spart nicht nur Kosten, sondern wirkt sich auch auf die Qualität positiv aus.

Making Games Was erhoffen Sie sich von einer Zusammenarbeit?
Olaf Wolters Eine gegenseitige Bereicherung und neue Ideen für viele schöne Games.

Making Games In Ihrem Panel geht es um illegale Downloads in der Musikbranche; im Games- und im Filmbereich. Wie realistisch ist es, dass es bald einen Dachverband für die Vertretung der Interessen aller Medienbranchen geben wird? Kann und sollte es – Ihrer Meinung nach - eine gemeinsame Stimme geben?
Olaf Wolters Die Interessensvertreter der Musik-, Film- und Games-Branche arbeiten bereits eng zusammen, wenn es um medienübergreifende Themen wie den Urheberrechtsschutz oder Jugendschutz geht. Dieses Modell der Kooperation hat sich in der Vergangenheit sehr gut etabliert und wird auch in Zukunft von uns weiter forciert werden.

Making Games
Was erwarten Sie sich von der Teilnahme an der Konferenz?
Olaf Wolters In erster Linie erhoffe ich mir einen Erfahrungsaustausch, wie die Kollegen mit dem Problem des illegalen Downloadens umgehen. Das ist für mich die Basis, um zukünftig gemeinsame Lösungen voranzutreiben.
 

 

 

Olaf Wolters
ist Geschäftsführer des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware e.V.

 

 

 

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