researching games – Interview mit dem Initiator des Forschungs-Barcamps

Redaktion   //   August 11, 2011   //   0 Kommentare

Die Forschung im Bereich »Spiel« – sei es auf dem Schachbrett, mit Murmeln im Sand oder auf dem Fußballplatz – hat eine lange Tradition, auch in Deutschland. Anders verhält es sich mit digitalen Spielen, deren Zentren der Forschung eher in Frankreich, England oder den USA liegen. researching games will sich diesem Missstand annehmen und veranstaltet mit dem Barcamp vom 24. bis 25. September nach eigener Aussage eine »Gegenveranstaltung zu Recruitments und Messen der Industrie, zu Business- und Developer-Konferenzen«.

 
Making Games Wie kam es zu der Idee, ein Barcamp speziell für die Spieleforschung zu organisieren?
Florian Berger Als ich im Rahmen meiner Dissertation wissenschaftliche Konferenzen besuchte, habe ich erstaunlich viele deutschsprachige Doktoranden und Studenten getroffen, die zu Games forschen. Mein erster Gedanke war: Die müsste man alle mal zusammenbringen. Der zweite: Und am besten alle beteiligten Disziplinen noch dazu. Ein solches Treffen gab es einfach noch nicht, und ein Barcamp erschien mir das passende Format.

Making Games Warum richtet sich das Barcamp an den wissenschaftlichen  Nachwuchs? Was spricht gegen Professoren als Referenten?
Florian Berger Dagegen spricht überhaupt nichts! Wir haben auch schon mehrere Anfragen von Hochschullehrern. Aber einerseits wollen wir gezielt den Nachwuchs in Deutschland vernetzen, um die Spieleforschung insgesamt zu stärken. Andererseits geht es um einen lockeren Austausch, Ziel des Barcamps sind keine Fachpublikationen. Das ist für Professorinnen und Professoren nicht unbedingt so attraktiv.

Making Games Was sind eure persönlichen Ziele für das erste Barcamp?
Florian Berger Wir sehen es als Kick-off-Barcamp, es geht darum, sich kennenzulernen und zu erfahren, woran andere arbeiten, gerade auch in fremden Disziplinen. Idealerweise fahren am Ende alle begeistert nach Hause und bringen nächstes Jahr noch ein oder zwei Leute mehr mit.

Making Games Was sind deiner Meinung nach die Hauptgründe dafür, dass  Deutschland in der Spieleforschung im internationalen Vergleich hinterher hinkt?
Florian Berger Es gibt in Deutschland hochwertige Spieleforschung, aber sie hat keinen leichten Stand. Spiele sind hier immer noch eher Wirtschafts- als Kulturgut, sie bringen derzeit kein akademisches Prestige und es ist nicht einfach, Drittmittel für Forschung zu beschaffen. Das Thema wird als ein praktisches wahrgenommen und in der Folge Fachhochschulen und privaten Instituten überlassen. Die haben jedoch nicht die Zeit und die Mittel für ausgedehnte Forschung. Angesichts regelrechter Think Tanks, etwa in Skandinavien, haben wir wirklich noch Nachholbedarf.

Making Games
Die 30 Plätze für das Barcamp waren nach nur 4 Wochen vergriffen. Wie soll es in den nächsten Jahren weitergehen?
Florian Berger Perspektivisch wollen wir »researching games« als unkonventionelles, entspanntes und interdisziplinäres Treffen der deutschen Spieleforschung etablieren. Wir wollen wachsen und zu einer festen Größe in der deutschen Forschungslandschaft werden.

 

 

 

 

Florian Berger
ist Doktorand am Lehrstuhl Mediendidaktik der Pädagogischen Hochschule Weingarten und Initiator von researching games.
 

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