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Deutscher Entwicklerpreis 2009 – Der Lohn für die Passion

Stephan Freundorfer   //   Dezember 10, 2009   //   0 Kommentare

Bereits zum sechsten Mal feierte sich gestern in Essen die deutsche Entwicklerszene. Mit einem Abend voller Glück, Trauer und spürbarer Freude am Spielemachen.

Der deutschen Spielebranche muss es richtig gut gehen. Das möchte man wenigstens meinen, wenn man sich die Zahl an Veranstaltungen ansieht, auf denen in diesem Jahr Preise für Leistungen innerhalb der Games-Industrie vergeben wurden. Da hatten wir den glamourösen dritten Lara-Award in Köln, bei dem der Entertainment Media Verlag in Anwesenheit von reichlich TV-Prominenz erfolgreiche Spiele-Publisher und ihre Produkte ehrte. Im Rahmen der gamescom wurden die BÄM!-Awards verliehen, deren Gewinner von den Lesern der Computec-Spielemagazine bestimmt wurden. In München debütierte der Computerspielepreis, eine mit 500.000 Euro dotierte Gemeinschaftsaktion von Spielebranche und Kultusministerium. Und gegen Jahresende findet bereits zum sechsten Mal (und damit beinahe schon traditionell in dieser oft chaotischen und wankelmütigen Branche) der Deutsche Entwicklerpreis statt. Allerdings hat dieser aktuell älteste aller Spielepreise immer schon mit medialer Bedeutungslosigkeit zu kämpfen: Die nominierten Spiele sind längst abverkauft und durchgefeatured, womit der News-Wert für Handel und Fachpresse gegen Null geht. Und einen deutschen Peter Molyneux oder Shigeru Miyamoto mit Massenmedien-tauglichem Charisma gibt’s halt auch nicht.

Freude bei Daedalic Entertainment über den Gewinn in zwei Kategorien mit The Whispered World und den »Studio of the Year«-Award.

Wer am Abend dieses 8. Dezembers in der Schlange vor der Lichtburg Essen, laut Pressemitteilung „Deutschlands renommiertestes Premierentheater“, steht und auf Einlass zur Preisverleihung wartet, merkt allerdings schnell, wie wichtig dieser Award für die deutsche Entwicklerszene wirklich ist. Einmal im Jahr kommen hier nämlich die gewöhnlich gesichts- und oft auch namenlosen Spielehandwerker zu ihrem Recht. Hunderte Menschen warten geduldig vor dem Kino, zum Großteil junge Männer, gut gelaunt, freudig erregt. All die Programmierer, Grafiker, Klangkünstler und Leveldesigner sprühen vor guter Laune, sie feiern und lassen sich feiern – egal, ob ihr Werk, das sie im Schnitt die letzten zwei Jahre ihres Lebens gekostet hat, einen Preis gewinnt, nur nominiert oder schon im Vorfeld rausgeflogen ist. Stephan Reichart, der mit Aruba Events die Preisverleihung seit 2004 veranstaltet, bringt Anlass und Atmosphäre auf den Punkt: „Der Deutsche Entwicklerpreis ist die Weihnachtsfeier der Branche“.

Und so ist es vor allem die grandiose Stimmung der rund 1.000 Anwesenden, die diesen Abend trägt. Die Show an sich ist bemüht und nicht ganz fehlerfrei, aber kurzweilig. Laudatoren mit variablem Unterhaltungspotenzial wechseln sich im 5-Minuten-Takt ab, die Trailer der jeweils fünf nominierten Titel sind gut geschnitten und abwechslungsreich (auch das siebte „Anno 1404“-Filmchen in Folge bietet noch ein paar neue Bilder) und die adrette Moderatorin sorgt mit sanfter Stimme für einen sympathischen Rahmen. Einzig die komödiantischen Einspieler von Stephan Reichart und eine dämliche ‚Game-Show‘ von Sponsor Nokia könnte man sich sparen – andererseits geben sie zur rechten Zeit Gelegenheit, sich um den Getränkenachschub zu kümmern.

Related Designs und Blue Byte räumen mit Anno 1404 gleich in fünf Kategorien ab.

Die rund zweistündige Verleihung ist nur selten spannend – „Anno 1404“ sowie das Wii-„Anno“ räumen sechsmal ab, das 2D-Märchen „The Whispered World“ bzw. das zugehörige Entwicklerstudio Daedalic dreimal. Echte Überraschungssieger gibt’s nicht – dafür aber, ohne jeden Anflug von Peinlichkeit, jede Menge Emotionen. Ungekünstelte Freude bei den Gewinnern, begeisterter Applaus für die Nominierten (selbst wenn es gefühlt immer wieder dieselben fünf sind) und ehrliche, tiefe Trauer um den im letzten Monat überraschend verstorbenen Entwickler-Veteran Armin Gessert, der nicht nur für das DS-Remake seines Klassikers „Giana Sisters“ geehrt, sondern auch posthum in die frisch initiierte deutsche Entwickler-Hall of Fame aufgenommen wird. Freuen dürfen sich übrigens auch die Gamestar-Macher: Neben dem Münchner Verein für Videospielkultur erhält das Making Games Magazin des IDG Verlags den Sonderpreis der Jury für sein Engagement rund um die deutsche Entwicklerszene.

Anschließend geht es zum Feiern – und dabei wird’s für die doch eher bodenständige deutsche Entwicklerszene reichlich mondän. Der exklusive Club Essence lockt bis in die Morgenstunden mit Buffet, Getränken, Musik und viel nackter Haut der einfallsreich kostümierten Gogo-Girls. Wenigstens an diesem Abend soll es der deutschen Spielebranche eben richtig gut gehen…

 

Die Gewinner des Deutschen Entwicklerpreises 2009

Fachpreiskategorien:
Bestes deutsches Spiel 2009:
Anno 1404 (Related Designs / Blue Byte)
Bestes deutsches Kinderspiel 2009:  
Giana Sisters (Spellbound Entertainment / Bitfield)
Bestes deutsches Jugendspiel 2009:
The Whispered World (Daedalic Entertainment)
Bestes deutsches Browserspiel 2009:
Die Gilde Online - Gilde 1400 (Ticking Bomb Games / Gameforge)
Bestes deutsches Konsolenspiel 2009:
Anno: Erschaffe eine neue Welt (Blue Byte / Keen Games)
Beste Story 2009:
The Whispered World (Daedalic Entertainment)
Bester Soundtrack 2009:
Anno 1404 (Related Designs / Blue Byte)
Bestes Gamedesign 2009:
Anno 1404 (Related Designs / Blue Byte)
Beste Grafik 2009:
Anno 1404 (Related Designs / Blue Byte)

Publikumspreise:
Bestes deutsches Adventure 2009:

Black Mirror 2 (Cranberry Productions )
Bestes deutsches Rollenspiel 2009:
RISEN (Piranha Bytes)
Bestes deutsches Strategiespiel 2009:
Anno 1404 (Related Designs / Blue Byte)
Bestes deutsches Sportspiel 2009:
FUSSBALL MANAGER 09 (Bright Future)
Bestes deutsches Casual Game 2009:
Shakes & Fidget - The Game (Playa Games)
Bestes deutsches Actionspiel 2009:
Venetica Deck (13 Interactive)
Bestes deutsches Mobile Game 2009:
Crazy Machines für iPhone (Fakt Software)
Bestes internationales PC Spiel 2009:
Runes of Magic - Chapter II: The Elvven Prophecy (Runewaker Entertainment / Frogster)
Bestes internationales Konsolenspiel 2009:
Sacred 2 - Fallen Angel (Ascaron Entertainment)

Spezialpreiskategorien:
Sonderpreis des Deutschen Entwicklerpreises 2009:

Making Games Magazin
Videospielkultur e.V.
Hall of Fame 2009:
Armin Gessert
Förderpreis des Deutschen Entwicklerpreises 2009:
Splitscreen Studios
Studio of the Year:
Daedalic Entertainment
 

Weitere Eindrücke vom Deutschen Entwicklerpreis 2009:

Hoher Besuch: RTS-Legende Bruce Shelley überreichte den Award in der Kategorie »Beste Grafik«.   Alle Preisträger zum gemeinsamen Gruppenbild versammelt.   Making Games Projektleiter Heiko Klinge beim Interview für die RTL2 News.   Der Saal in gespannter Erwartung auf die Preisträger.  

Crazy Machines für das iPhone gewinnt den Preis in der Kategorie »Bestes Mobile Game«.   Der Förderpreis des Deutschen Entwicklerpreises 2009 geht an die Splitscreen Studios.   Große Freude bei IC e:MOTION. Das Team gewann mit Corporate Conflict Mars den Newcomer Award.   Nach der Preisverleihung ging es ins feucht-fröhliche Nachtleben der Essener City, in den Club Essence.

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