Buch trifft Spiel – im Gespräch mit Silja Gülicher

Redaktion   //   Oktober 7, 2010   //   0 Kommentare

Die Frankfurter Buchmesse widmet sich in diesem Jahr verstärkt dem Thema Computerspiel. Auf der Konferenz »StoryDrive« treffen sich etwa Experten aus unterschiedlichsten Branchen und tauschen sich über narrative Konzepte und gemeinsame Ansätze aus. In unserer Interviewreihe sprechen wir mit Branchenprofis über die zunehmende Medienkonvergenz und gehen unter anderem der Frage nach, was Buch, Film und Spiel voneinander lernen können.

Making Games Wie bewerten Sie die Ambitionen der Buchmesse, sich verstärkt auch an die Branchen Film und Games zu richten?
Silja Gülicher Sehr positiv! Schon bei der letzten Buchmesse gab es sehr spannende Diskussionen zu der Frage, wie sich Bücher, Filme und Spiele ergänzen. Dass sie dies tun können, steht für uns außer Frage: Die Rätselspiele der »Professor Layton«-Reihe zum Beispiel sind in spannende Detektivgeschichten eingebettet. Die gezeichneten filmischen Sequenzen treiben die Erzählung voran. Die Spiele sind so beliebt, dass in diesem Jahr sogar ein Kinofilm zu der Reihe erscheinen wird.

Making Games Medienkonvergenz ist in aller Munde. Was verstehen Sie darunter?
Silja Gülicher In unserer Gesellschaft spielen digitale Medien eine bedeutende Rolle. Texte, Filme, Musik, aber auch Spiele liegen dem Nutzer in digitaler Form vor und können dadurch mit der Familie und Freunden zu Hause sowie unterwegs erlebt werden. Für alle Anbieter der Unterhaltungsbranche eröffnet das sehr spannende Möglichkeiten.

Making Games Was können die Branchen Film, Buch und Games voneinander lernen?
Silja Gülicher Alle genannten Branchen haben ein gemeinsames Ziel, nämlich gute Unterhaltung. Im gemeinsamen Dialog treffen Experten zusammen, die genau wissen, wie spannende Geschichten erzählt, kniffelige Rätsel erstellt und wunderbare Bilder gestaltet werden.

Making Games Die Zukunft des Buches ist digital! Ist die Buchhandlung der Zukunft also ein Entertainment-Tempel?
Silja Gülicher Ich bin der Meinung, dass uns das klassische Buch noch lange erhalten bleiben wird. Das Blättern in gedruckten Seiten kann kein digitales Medium ersetzen. Natürlich sind viele Lebenswelten sowie deren Informationsaustausch und Wissenstransfer von digitalen Unterhaltungsmedien geprägt. Die Musikbranche hat diesen Paradigmenwechsel schon erlebt – der Buchhandel befindet sich in einem ähnlichen Wandel. Grundsätzlich ist die Buchhandlung ein hervorragender Ort, um Videospiele mit Buchbezug anzubieten. Warum sollten Kunden neben Koch-, Schul- und Yogabüchern nicht auch das digitale Spiel dazu im Buchhandel finden?

Making Games Wo liegen erfolgversprechende Schnittstellen zwischen Games- und Verlagsbranche?
Silja Gülicher Lebenslanges und mobiles Lernen sind Anforderungen, die im Alltag immer wichtiger werden. Die einst klaren Zuordnungen »Schule = Lernen« und »Zuhause = Freizeit« entsprechen nicht mehr der Realität. Hier findet eine Verschmelzung mit durchaus positiven Folgen statt, wenn etwa die in der Freizeit akzeptierten Medien auch in der Schule eingesetzt werden. So wird durch Spaß ein motivierteres Lernen möglich.

Making Games Was erhoffen Sie sich von einer Zusammenarbeit?
Silja Gülicher Wie schon zuvor angedeutet, haben renommierte Bildungsverleger wie Cornelsen, Langenscheidt, Westerman, Tessloff und Tivola erkannt, dass moderne Wissensvermittlung nicht mehr in der Schule, Lesebüchern und Vokabelheften aufhört.

Making Games Was halten Sie von den sogenannten »enhanced books«?
Silja Gülicher Ich persönlich sehe das als eine sehr spannende Entwicklung, die wir mit Interesse beobachten.

 

Silja Gülicher
ist Leiterin der Pressestelle von Nintendo Deutschland.

 

 

 

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