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Serious Games Conference - Interview mit den Veranstaltern

Redaktion   //   März 2, 2010   //   0 Kommentare

Am 05. März findet in Hannover erneut die Serious Games Conference statt. Zum zweiten Mal wird dort auch der Serious Games Award 2010 für die besten Spiele verliehen. Wir haben mit Ruth Lemmen und Sebastian Wolters über die wichtigsten Fakten zur Veranstaltung und über die aktuellen Trends der Serious Games Branche gesprochen.

 

 

 

Ruth Lemmen
ist Projektmanagerin und Referentin Medienkompetenz des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware e.V.

 


 


Sebastian Wolters
ist Projektleiter Digital Media Cluster bei nordmedia.

 

 

Making Games Nennen Sie uns bitte die wichtigsten Zahlen und Fakten zur Konferenz.

Sebastian Wolters Bei der diesjährigen Serious Games Conference wird es insgesamt acht Vorträge zu den unterschiedlichsten Bereichen der Serious Games geben. Dazu kommt noch die Podiumsdiskussion zum Thema »Serious Games – USA meets Europe«. Abgerundet wird die Konferenz mit der Verleihung des Serious Games Award 2010. Hier hatten wir insgesamt 66 Einreichungen, was eine Steigerung zum Vorjahr um knapp 30% bedeutet. Damit sind wir natürlich sehr zufrieden. Insgesamt haben sich knapp über 300 Teilnehmer für die Konferenz und die Preisverleihung registriert. Damit liegen wir leicht über dem Vorjahresniveau. Seit 2007 hat sich der Zuspruch auf allen Ebenen kontinuierlich gesteigert. Serious Games sind mittlerweile Bestandteil der Branche. An den Anmeldungen sehen wir auch, das sich die »klassiche« Industrie wie etwa die Automobilbranche zunehmend dem Thema widmet und Anwendungsmöglichkeiten eruiert, bzw. eigene Serious Games entwickelt.


Making Games Was sind die Highlights der diesjährigen Serious Games Conference?

Sebastian Wolters Es ist immer schwierig, einzelne Themen hervorzuheben. Die Konferenz versucht, Beispiele aus unterschiedlichen Bereichen zu präsentieren. Interessant dürfte sicherlich die Podiumsdiskussion werden, die uns gezielt den Stand der Dinge in den USA im Vergleich zu Europa zeigen wird. Hier haben wir mit Noah Falstein jemanden, der die amerikanische Entwicklung entscheidend mitprägt und dementsprechend wertvolle Informationen liefern kann. Auch sind wir gespannt auf die beiden britischen Vertreter Mary Matthews von Blitz Games Studios und Kam Star von PlayGen, der als europäischer Entwickler gar für das US Verteidigungsministerium arbeitet. Beide Unternehmungen verdienen mittlerweile Geld mit Serious Games und sind auch international etabliert. Ein weiteres Highlight stellt der Vortrag von Prof. Ulrich Götz von der Züricher Hochschule der Künste dar, der ein Serious Game in Verbindung mit dem Therapie-Roboter »Lokomat« vorstellt. Dieser kommt bei Patienten mit schweren Bewegungsstörungen zum Einsatz. Letztendlich hoffen wir, dass alle Programmpunkte Highlights für die Teilnehmer sind, je nachdem, wo bei diesen der Interessensschwerpunkt liegt.


Making Games Wie hat die Industrie die Finanzkrise erlebt und welche Stimmung erwarten Sie auf der Konferenz?

Sebastian Wolters Diese Frage ist schwierig zu beantworten, da die Industrie in diesem Fall sehr fragmentiert ist und ein Überblick nicht ganzheitlich sein kann. Über die Unterhaltungssoftwareindustrie wissen wir aber durch eigene Erhebungen, dass etwa 30% der Unternehmen von der Finanzkrise betroffen sind. Hier ist es für die Unternehmen ähnlich den anderen Industrien schwierig, sich Fremdkapital zu beschaffen. Weiterhin resultiert die Finanzkrise in Preisdruck und Schwierigkeiten bei der Eigenkapitalbeschaffung. 20% der betroffenen Unternehmen gaben an, dass sie weniger Aufträge bekommen würden. Zur Bewältigung der Krise müssen die Unternehmen im Unterhaltungssoftwaresektor zunehmend ihre bisherigen Finanzierungskonzepte überdenken. Hier könnte der Blick auf die Entwicklung von Serious Games Anwendungen als zusätzliche Geschäftsfelder vielleicht eine Option sein. Momentan suchen ja viele klassische Entwickler ihr Heil in der Entwicklung von Browsergames, aber dies dürfte durch die zunehmende Konkurrenz auch immer schwieriger werden.
Zumindest bei der Podiumsdiskussion wird die Krise thematisiert werden. Wir sind gespannt, wie die Stimmung sein wird.


Making Games Was sind die wichtigsten Trends der nächsten Jahre und werden diese Inhalt der Konferenz sein?

Ruth Lemmen Laut einer Studie des US-Branchenverbandes Entertainment Software Association (ESA) aus dem Jahr 2008, vertrauen mittlerweile 70 Prozent aller Führungskräfte in den USA im Mitarbeitertraining auf Spieletechnologien. Insbesondere Simulationssoftware, mit der Produktionsabläufe dargestellt werden, aber auch Rollenspielelemente zur Schulung von Kundenkontakten erfreuen sich steigender Beliebtheit. Mittels einer Umfrage unter US-amerikanischen Unternehmen hat die ESA zudem einen regelrechten Trend ausgemacht: 75 Prozent aller befragten Unternehmen planen demnach bis zum Jahr 2013 Fortbildungsprogramme auf Basis von Serious Games. Dieser Trend wird sich sicherlich auch in Europa zukünftig noch weiter durchsetzen. Mary Matthews von Blitz Games Studios wird in ihrer Präsentation den Schwerpunkt auf Anwendungen im Mitarbeitertraining legen und Roman Schönsee von Ranj aus den Niederlanden wird hierzu ebenfalls ein Beispiel vorstellen.
Außerdem liegen Health Games derzeit im Trend: Health Games generieren jährlich in den USA bereits mehr als 2 Milliarden Dollar, wie im Rahmen der fünften Games for Health Conference in Boston (11.- 12.06.09) bekannt gegeben wurde. In Europa sind die Health Games ebenfalls ein wichtiges Thema und auf der Serious Games Konferenz wird es demzufolge natürlich auch einige Beispiele aus dem Gesundheitsbereich geben.
 

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