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21. Januar 2012: Massenentlassung trotz frischer Kickstarter-Kampagne -- Was ist los bei Gas Powered Games?; Atari USA meldet Insolvenz an

Sebastian Klix   //   Januar 21, 2013   //   0 Kommentare

Kickstarter boomt; immer mehr bekannte Designer schlagen den Weg auf die Crowdfunding-Plattform ein. Vor wenigen Tagen kam auch Chris Taylor mit seinem mittlerweile seit 15 Jahren existierenden Studio Gas Powered Games hinzu. 1,1 Millionen US-Dollar sollen es für das Action-RPG mit Strategie-Elementen Wildman sein. Die Aktion läuft solide, aber nicht bahnbrechend an und innerhalb der ersten Tage kamen knapp 200.000 Dollar zusammen.

Plötzlich die unerwartete Meldung: Gas Powered entlässt fast seine gesamte Belegschaft. Gut 40 Mitarbeiter werden vor die Tür gesetzt. Was ist da los? Und wieso ausgerechnet jetzt? Die Antwort lieferte ein sichtlich aufgewühlter und niedergeschlagener Chris Taylor prompt per Videobotschaft.

Mit Wildman setze Taylor alles, also sein Studio, auf eine Karte. Scheitert die Kampagne, wärs das gewesen. Doch er sei nicht bereit, auch mit dem Schicksal seiner Angestellten zu pokern. Daher habe er sie entlassen um ihnen auch noch eine entsprechende Abfindung auszahlen zu können. Nach einer eventuell gescheiterten Kickstarter-Aktion würde das nicht mehr gehen. Auch wenn man sich da natürlich die Frage stellen mag: Wieso eigentlich nicht?

 

Was tatsächlich derzeit bei Gas Powered Games los ist, kann nur gemutmaßt werden. Supreme Commander 2 konnte nicht an den Erfolg des Vorgängers anschließen, Demigod war interessant, aber kein Kassenschlager und Space Siege floppte spielerisch und finanziell. Und erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Microsoft Age of Empires Online nicht mehr weiterentwickeln lässt. Die Kassen bei GPG dürften also nicht gerade überquillen.

Die Kickstarter-Kampagne zu Wildman ist mittlerweile also weniger die Finanzierung eines Spiels, sondern mehr zum Rettungsplan eines Studios geworden. Denn nur wenige Tage nach dem Start des Crowdfundings praktisch alle Mitarbeiter zu entlassen -- das zeugt entweder von Verzweiflung oder aber der Kalkulation, dass die gutmütigen Spieler nun dem Studio finanziell aus der Patsche helfen.

»Ein legitimer letzter Strohhalm, eine offensichtlich schwer angeschlagene Firma mit einer Kickstarter-Kampagne noch retten zu wollen? Oder ist das schlichtweg nur schlechtes Management und Erpressung der Backer?«, fragte auch Making Games-Chefredakteur Heiko Klinge auf unserer Facebook-Seite. Und Chris Taylor antwortete:

»Let me say, that I am very impressed how you guys have such a great handle and understanding of the problems in the games business today, especially as it relates to the creative. I have read above that the industry is stifled, yet there is also a suggestion that I should do something derivative to capture market share. This is the dilemma... it's like a no-win situation.«

»I'm really excited about Wildman, and I think my biggest failure was spending too much time working on the sexy video and not enough time working on explaining the game! Having said that, I didn't not see a deep explanation of the game in any of the comparable videos, as most leave it to people to simply judge, do you trust me as a designer, or as a developer? And yet, after three days, there was nothing but doubt and mistrust, as people said that I don't have what it takes to do this game. That to me was damn interesting to see.«

Die Kickstarter-Kampagne von Wildman hat noch ganze 25 Tage vor sich und konnte bisher bereits über 270.000 US-Dollar der angestrebten 1,1 Millionen einsammeln. Sollte die Aktion so weiterlaufen wie bisher, sollte also eigentlich alles glatt gehen für Chris Taylor und sein Studio. Endgültig entschieden wird es aber gewohnheitsmäßig wohl erst in den letzten zwei Tagen.

Der Studio-Chef scheint mittlerweile auch wieder etwas Mut gefasst zu haben und zeigte sich gegenüber Polygon wieder zuversichtlicher.

»Ich will keinerlei Mutmaßungen von mir geben. Doch die Dinge sehen jetzt sehr viel besser aus. Ich denke, dass noch immer ein langer Weg vor uns liegt. Doch wir haben uns sehr gut darauf vorbereitet, damit wir das alles realisieren können. [...] Ich tätige bereits mehrere Anrufe und vereinbare Meetings, um mit Schlüsselpersonen zu sprechen, damit diese zu uns zurückkommen. Immerhin haben jetzt viele Leute ihre Augen geöffnet - keine Überraschungen.«

 

Atari USA meldet Insolvenz an

Auch nicht sonderlich rosig stehts bereits seit einiger Zeit um Atari. Nun hat man sogar Insolvenz angemeldet, zumindest Atari Inc., das amerikanische Tochterunternehmen von Atari S.A.

Atari Inc. erhofft sich davon, sich vom verschuldeten Mutterkonzern lösen zu können, welcher allein im Geschäftsjahr 2012 einen Umsatzrückgang von 34 Prozent hinnehmen musste. Der Aktienwert dümpelt aktuell bei unter einem Euro herum. Zum Vergleich: 2008 war das Stück noch 10 Euro mehr wert.

Im Idealfall soll Atari USA im Laufe der nächsten Monate an einen privaten Investor veräußert werden, damit sich das Unternehmen unabhängig auf mobile Plattformen und den Digitalmarkt konzentrieren kann.

Quelle: L.A. Times

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