Jahresrückblick 2012: Die 10 negativsten Firmen-Ereignisse und Kündigungen #1

Sebastian Klix   //   Dezember 27, 2012   //   0 Kommentare

Weihnachten ist ja eigentlich das Fest der Freude. Deswegen bringen wir das negativste gleich als erstes hinter uns: 2012 war ein turbulentes Jahr, wenn es um Entlassungen, Insolvenzen und Studio-Schließungen ging. Und auch der ein oder andere bekannte Designer hat überraschend nach vielen Jahren sein Studio verlassen.

Wir lassen noch einmal Revue passieren über die 10 bedeutendsten, negativen Ereignisse innerhalb der Branche in den letzten 12 Monaten.

 

Bug Huge Games / 38 Studios

Das Hack 'n' Slash Kingdoms of Amalur: Reckoning sollte Big Huges großer Wurf werden. Nun, es hätte sich wohl schlechter verkaufen können (aber auch deutlich besser), doch um das Darlehen von schlappen 75 Millionen US-Dollar vom Staate Rhode Island fristgerecht zurückzuzahlen, war es bei weitem nicht genug. Auch Vorwürfe gegen den amtierenden Gouverneur Lincoln Chafee – man fühlte sich vom Staat im Stich gelassen – brachten nichts: Das Studio musste im Mai 2012 seine Pforten schließen und ganze 380 Mitarbeiter vor die Tür setzen.

Gerade noch einer Bundesklage entgangen, prüft Rhode Island derzeit trotzdem noch immer seine weiteren Möglichkeiten, der einstigen Chef-Etage des Studios weitere Klagen reinzudrücken. Die Rechte an sämtlichen Marken, darunter Project Copernicus, einem MMO welches zu dieser Zeit schon seit einigen Jahren in Entwicklung war, gingen bereits an den Staat und die Bank von New York.

Dass sich kurz darauf Epic Games meldete und verkündete, einige Entwickler an Bord zu holen und mit diesen ein neues Studio zu gründen, war dabei zwar wenigstens mal irgendeine positive Entwicklung, letztlich aber wohl nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

 

Zipper Interactive

Mechwarrior 3, Crimson Skies, MAG und unter Sony die SOCOM-Reihe: Zipper Interactive brachte seit der Gründung 1995 durchaus einige interessante Titel zum Vorschein. Bis das Studio im Frühling 2012 von Mutterkonzern Sony dicht gemacht wurde. Offizielle Begründung: »Neuanordnung der Ressourcen«.

Neun angeordnet wurden die Mitarbeiter von Zipper allerdings nicht, zumindest nicht in Sonys Betrieb. Die gut 80 Mitarbeiter mussten sich einen neuen Job suchen. SCE hatte den Entwickler 2006 übernommen, nachdem Zipper bereits seit 2002 exklusiv für die PlayStation 2 die SOCOM-Reihe entwickelte.

 

Peter Molyneux verlässt Lionhead

1997 gründete Peter Molyneux sein Studio Lionhead, vor allem für die Fable- und Black & White-Reihen, aber auch The Movies bekannt. 2006 schließlich übernahm Microsoft den Entwickler. Doch im Frühling 2012 hatte Molyneux keine Lust mehr und gab sowohl seinen Posten bei Lionhead als auch den des kreativen Leiters der europäischen Microsoft Studios auf.

Als Grund meinte er später, dass Microsoft schlicht »zu nett und sicher« gewesen sei. Er hätte sich wie in einer Gummizelle gefühlt. Er wollte wieder raus und sich etwas »wirklich tollem, kreativen und revolutionärem« widmen.

Molyneux schloss sich nach dem Ausstieg bei Lionhead dem kleinen Studio 22 Cans an, wo er zuerst an dem »Experiment« Curiosity arbeitete [Anm.: wir erinnern uns an den Ingame-Diamant-Meißel für 62.000 Euro] und schließlich erst vor Kurzem eine Kickstarter-Aktion für die Götter-Simulation GODUS startete, die vor wenigen Tagen doch noch erfolgreich gefundet wurde.

 

Eurocom

Das britische Studio Eurocom gab es schon, da haben sich einige von uns noch auf Knien und Händen fortbewegt: 1988 in Derby gegründet, stellte das Studio einen der ältesten Entwickler Europas dar und konnte auf über 60 Spiele zurückblicken. Allerdings dürfte das auch eines der Probleme von Eurocom gewesen sein, denn darunter befand sich kaum etwas, was wirklich übermäßig erinnerungswürdig gewesen wäre. Überwiegend eher durchschnittliche Lizenz-Versoftungen zu James Bond, Pirates of the Caribbean und auch Harry Potter waren die Haupteinnahmequelle des Studios.

Doch gerade die letzten Titel wie 007 Legends vielen bei Spielern und Kritikern durch. Als offiziellen Grund für den Gang in die Insolvenz Anfang Dezember nannte Eurocom jedoch die »sinkende Nachfrage nach klassischen Konsolentiteln«. Eine Rettung des Studios sieht man nicht, statt dessen hofft man, neue Investoren zu finden, die bei der Gründung eines komplett neuen Studios helfen sollen. Dann mit neuer Ausrichtung, wahrscheinlich Richtung Mobile-Games. Zuletzt hatte der Entwickler gut 50 Mitarbeiter.

 

Silicon Knights

Wenn man Nintendo-Fans nach ihrem Lieblingsspiel für den GameCube fragt, werden durchaus einige davon mit »Eternal Darkness« antworten, mit dem sich die Kanadier von Silicon Knights einen Namen gemacht hatten. Diesen haben sie sich allerdings später ein wenig mit dem Spiel Too Human und schließlich so richtig, richtig deutlich mit X-Men: Destiny wieder angekratzt.

Für die mäßige Qualität der letzten Titel soll unter anderem Studio-Chef Denis Dyacks Abzug von Entwicklern für die Auftragsarbeiten, hin zur Entwicklung einer Demo von Eternal Darkness 2 gewesen sein. Schließlich kam auch noch ein verlorener Rechtsstreit mit Epic Games hinzu, den Silicon Knights verlor und nun auf einen Schlag mit zusätzlichen 9 Millionen US-Dollar Schulden dasteht.

Letzten Berichten zufolge sollen mittlerweile nur noch 5 Leute bei Silicon Knights angestellt sein, wobei man munkelt, dass Denis Dyack inzwischen allein dasteht. Offiziell existiert das 1992 aus der Taufe gehobene Studio zwar noch, wir sind uns allerdings nicht sicher, wie Dyack DEN Karren wieder aus dem Dreck ziehen will.

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