browsergames forum 2012 – Dr. Andreas Lober über die Entwicklungsgeschichte der Konferenz

Redaktion   //   Oktober 29, 2012   //   0 Kommentare

 

Dr. Andreas Lober, der Initiator des bgf, blickt im Interview auf die Geschichte der Konferenz zurück, ordnet aktuelle Geschehnisse wie die Entlassungswelle bei Bigpoint ein und gibt einen Ausblick auf die nächsten Jahre im Browsergames-Segment.


 

Making Games Welche Erinnerungen hast du an die Anfänge des browsergame forums? Wie seid ihr damals gestartet?
Dr. Andreas Lober Das browsergames forum ist ja sozusagen der inoffizielle Nachfolger der browsergames conference, die ich 2005 ins Leben gerufen hatte. Damals waren es knapp 100 Leute, kaum jemand kannte sich, und die Kanapees haben nicht mal für die Hälfte der Leute gereicht. Aber auch damals waren schon Heiko Hubertz (Bigpoint – allerdings noch nicht als Speaker), Klaas Kersting (damals Gameforge) und Gerhard Müller (Erfinder von Travian) dabei. Also einige der Leute, die die deutsche Browsergames-Szene ganz maßgeblich geprägt haben.
 
Making Games Was ist dein persönliches Highlight aus all den Jahren bgf? Gibt es eine bestimmte Session oder ein anderes Ereignis, das dir im Gedächtnis geblieben ist?
Dr. Andreas Lober Mein persönliches Highlight war wahrscheinlich die sehr provokante Opening Keynote von Richard Bartle vor zwei Jahren. Richard ist quasi der Erfinder der Online-Rollenspiele. Er ist damals sicher einigen Leuten auf die Füße getreten, als er in seinem Vortrag »The Garden of Unearthly Delights« die These vertrat, dass die Goldgräberzeit bald zu Ende sei und die Produzenten von Browsergames mehr auf die Spieler achten müssten. Er ist jemand, der Leuten gerne auf die Füße tritt – und ich finde, eine Konferenz darf auch mal kontrovers sein.
Das eigentliche Highlight war aber wahrscheinlich, überhaupt so eine Veranstaltung ins Leben gerufen zu haben – und damit ein klein bisschen dazu beigetragen zu haben, dass in Deutschland ein Browsergames-Ökosystem entstand, in dem viele tolle Spiele und erfolgreiche Unternehmen gediehen sind.
 
Making Games Wer wäre dein Wunsch-Speaker und warum?
Dr. Andreas Lober Für nächstes Jahr wünsche ich mir Richard »Lord British« Garriott. Das »Warum« beantwortet sich für einen Spieler von selbst.
 
Making Games Woher kommt deine Motivation, dich bereits seit so langer Zeit für das bgf zu engagieren?
Dr. Andreas Lober Ich fand es schon immer faszinierend, bei neuen Entwicklungen mit dabei zu sein. Mitte der 90er-Jahre habe ich eine der ersten kommerziellen Spielewebseiten in Deutschland geleitet. Als Anwalt war ich in Deutschland einer der ersten, der sich mit den Rechtsfragen virtueller Gegenstände befasst hat, die ja für Browsergames essenziell sind. Da war das bgf dann eine logische Entwicklung.
 
Making Games Welches ist der größte Unterschied des ersten bgf zur diesjährigen Veranstaltung? 
Dr. Andreas Lober Bei der ersten Konferenz fingen die ersten Spiele gerade an, Geld zu verdienen. Heute sind Browsergames ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Das ändert alles.
 
Making Games Wo siehst du das bgf in fünf Jahren? Was wünscht du dir für die Zukunft der Veranstaltung?
Dr. Andreas Lober In fünf Jahren werden Browsergames keine eigene Spielekategorie mehr sein. Ich wünsche mir aber, dass wir in fünf Jahren immer noch eine gesunde Entwicklerszene in Deutschland und Europa haben, die international oben mitmischt – für das, was dann ein Wachstums-markt sein wird: Vermutlich Cross-Plattform. Und dafür soll dann das bgf nach wie vor die führende Konferenz in Europa sein.
 
Making Games
Was erwartet die Teilnehmer beim bgf 2012?
Dr. Andreas Lober Vor zwei Jahren war es die These von Richard Bartle, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Dieses Jahr ist die Branche ernüchtert, bei all den schlechten Nachrichten von Zynga & Co. Nach dem diesjährigen bgf werden die Teilnehmer zumindest Denkanstöße haben, wohin die Reise geht – und die Erkenntnis, dass es neben Zynga noch viele weitere erfolgreiche Ideen gibt; und auch dass die Einschnitte, die Bigpoint jüngst bekanntgegeben hat, kein Grund zur Panik sind.
 
Making Games Spielst du selbst? Was ist dein Lieblingsspiel?
Dr. Andreas Lober Ich selbst spiele sehr gern, habe ab 1991 viele Jahre lang als Spieletester gearbeitet. Inzwischen habe ich nur noch viel zu wenig Zeit. Da Rollenspiele zu meinen Lieblingsspielen gehören, mag ich Skyrim sehr gern – als Browserspiele Drakensang und Runescape.
 
 

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