Rechtstipp des Monats – Ein Unternehmen in der Games-Branche gründen, Teil 2

Janine Smitkiewicz, Thomas Auer   //   August 1, 2011   //   0 Kommentare

Nachdem wir uns im ersten Teil bereits einen Überblick über die wesentlichen Kriterien bei der Auswahl der Rechtsform sowie den Vor- und Nachteilen des Einzelunternehmens und den Personengesellschaften verschafft haben, setzen wir den Beitrag nun mit den Kapitalgesellschaften fort.

 

Die Kapitalgesellschaft
Das wesentliche Merkmal von Kapitalgesellschaften ist das Gesellschaftsvermögen und die Trennung zwischen Kapital und Management; bereits für die Gründung wird Kapital vorausgesetzt, mit welchem dann gegenüber Gläubigern für Verbindlichkeiten gehaftet wird; auf das Privatvermögen der Gesellschafter wird grundsätzlich nicht zugegriffen. Zwingend für die Gründung einer Kapitalgesellschaft ist die Eintragung ins Handelsregister.

Die in der Praxis am häufigsten vorkommende Gesellschaftsform dürfte die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) sein, die auch als Einmann-GmbH gegründet werden kann (im Unterschied zu einer Personengesellschaft, die zwingend mindestens zwei Gesellschafter voraussetzt). Seit der GmbH-Reform Ende 2008 ist – auch in der Games-Branche sehr beliebt – die  haftungsbeschränkte Unternehmensgesellschaft (UG).

Die GmbH ist eine juristische Person mit eigener Rechtspersönlichkeit und wird durch ihren Geschäftsführer vertreten. Geschäftsführer kann ein Gesellschafter oder eine dritte Person (»Fremdgeschäfsführer«) sein. Unbestrittener Vorteil der GmbH ist die Risikobegrenzung der Gesellschafter auf das Gesellschaftsvermögen; jeder Gesellschafter haftet grundsätzlich nur mit seinem Anteil am Gesellschaftsvermögen. Nur wenn die Gesellschafter gegenüber Banken oder anderen Gläubigern z.B. für Kredite einen Schuldbeitritt leisten oder eine Bürgschaft übernehmen, haften sie i. d. R. auch mit ihrem Privatvermögen. Eine Haftung mit dem Privatvermögen kommt darüber hinaus in Betracht, wenn die Stammeinlage angegriffen wird.

Das erforderliche Mindeststammkapital der GmbH beträgt 25.000 Euro und ergibt sich aus den Stammeinlagen der Gesellschafter. Bei einer Einmann-GmbH muss diese Mindesteinlage bei Gründung in vollem Umfang, ansonsten mindestens zur Hälfte eingezahlt werden. Die Gründungsformalitäten, zu denen auch ein notariell beurkundeter Gesellschaftsvertrag zählt und die aufwendige Buchführung und Bilanzierung werden oft als Nachteil gesehen. Alles Wichtige zur GmbH regelt das GmbHG.

Da es Existenzgründern häufig an dem notwendigen Startkapital für eine GmbH fehlt und gerade im Dienstleistungsbereich ein derartig hohes Kapital in der Gesellschaft gar nicht gebraucht wird, wählen viele Unternehmer die seit Ende 2008 existierende haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft (UG). Die UG ist keine eigenständige Rechtsform, sondern eine Sonderform der GmbH. Oft auch als Mini-GmbH bezeichnet, erfordert die UG-Gründung nur die Einzahlung eines Mindeststammkapitals von 1 Euro.

TIPP: Aber Vorsicht! Der zu wählende Betrag ist sorgfältig zu prüfen und sollte sich nach dem zu erwartenden Finanzbedarf der Unternehmung richten. Eine unterkapitalisierte Gesellschaft ist von Anfang an insolvenzbedroht! Die Gründung mit nur 1 Euro ist daher eher theoretischer Natur; 500 - 1.000 Euro Gründungskapital sollten i. d. R. mindestens aufgebracht werden.

Die UG darf sich im Geschäftsverkehr nicht als GmbH bezeichnen; sie muss stattdessen den Zusatz »Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)« oder »UG (haftungsbeschränkt)« tragen.

Die UG ist als Einstiegsvariante in die GmbH konzipiert, sie soll deshalb durch erfolgreiches Wirtschaften mit der Zeit zu einer »normalen« GmbH werden. Mindestens 25% des Jahresüberschusses müssen deshalb in den Folgejahren (nach Abzug Verlustvortrag) in eine Rücklage eingestellt werden, die nur zur Aufstockung des Stammkapitals oder zum Verlustausgleich dient; sobald das Mindestkapital der GmbH in Höhe von 25.000 Euro erreicht ist, wird die UG im Wege der Kapitalerhöhung aus der Rücklage zur GmbH. Grundsätzlich gelten in Übrigen die Vorschriften des GmbHG.

TIPP: Aufgepasst! Gesellschafter werden erst nach Eintragung der UG in das Handelsregister von der persönlichen Haftung für Verbindlichkeiten frei. Die Anmeldung zur Eintragung in das Handelsregister ist nach § 5a Abs. 2 GmbHG erst nach Erreichen des vollen Stammkapitals zulässig, während bei der Gründung einer GmbH bereits gem. § 7 Abs. 2 GmbHG bei Einzahlung von 50% des Stammkapitals die Eintragungsvoraussetzungen erfüllt sind.

Nachteilig ist an der UG zumindest – derzeit noch – ihre Unbekanntheit im Internationalen Geschäftsverkehr. Auch wird das Erfordernis der Einberufung der Gesellschafterversammlung bereits bei drohender Zahlungsunfähigkeit als Nachteil angesehen.

Die Gründungskosten können im Vergleich zur GmbH sehr gering sein, wenn ein sog. Musterprotokoll für die Gründung verwendet wird. Dieses erfasst zugleich den Gesellschaftsvertrag und die Gesellschafterliste; das Protokoll darf nicht durch zusätzliche, individuelle Regelungen der Gesellschafter abgeändert oder ergänzt werden.

Eine weitere Kapitalgesellschaft ist die Aktiengesellschaft (AG), die ebenfalls eine Gesellschaft mit eigener Rechtspersönlichkeit und einer auf das Gesellschaftsvermögen beschränkten Haftung ist, und zudem erst mit Eintragung in das Handelsregister wirksam ist. Die AG kann durch eine oder mehrere Personen gegründet werden. Wirklich kompliziert und streng formell stellt sich im Vergleich zu anderen Rechtsformen der Gründungvorgang dar, den auch das AktG näher regelt. Die Satzung (Gesellschaftsvertrag) bedarf der notariellen Beurkundung und darf nur unter Berücksichtigung des zwingenden geltenden Rechts gestaltet werden. Das in Aktien eingeteilte Grundkapital muss mindestens 50.000 Euro betragen; die Gesellschafter sind die Aktionäre. Die Organe der AG setzen sich zusammen aus der Hauptversammlung (= Zusammenkunft der Aktionäre), dem Aufsichtsrat (mindestens 3 Personen, die den Vorstand bestellen, überwachen und beraten) und dem Vorstand der AG (= Geschäftsführendes Organ).

Der hohe Kapital- und Gründungsaufwand, der hohen Buchführungs- und Bilanzierungsaufwand, die Kosten für die Hauptversammlung und der Aufwand für die Erfüllung der Informationspflichten gegenüber Aufsichtsrat bzw. gegenüber den Aktionären (bei börsennotierten AGs) sind für ein Start-up extrem große Hürden und daher von Nachteil. Dafür bietet die AG aber auch viele Vorteile, wie etwa einen unkomplizierten Gesellschafterwechsel durch Übertragung von Aktien; vereinfachte Beteiligungsmöglichkeiten von Mitarbeitern; die Möglichkeit, zum Zwecke der Wachstumsfinanzierung größere Kapitalmengen zu beschaffen; eine beschränkte Haftung sowie steuerliche Vorteile.

Darüber hinaus existiert noch die sog. Kleine Aktiengesellschaft, die als nicht börsennotierte AG mit einem überschaubaren (namentlich bekannten) Aktionärskreis oder bis zu einer gewissen Größe viele Vereinfachungen bietet. Dazu zählen insgesamt vereinfachte Formalitäten, eine vereinfachte Einberufung und Durchführung von Hauptversammlungen, eine flexible Mittelverwendung sowie die Befreiung vom Erfordernis der Mitbestimmung der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat durch deren Vertreter bei weniger als 500 Arbeitnehmern. Notwendig bleiben bei der Kleinen AG jedoch eine notarielle Satzung, ein Mindestkapital von 50.000 Euro und die Eintragung ins Handelsregister. Im Übrigen gelten die gleichen Vorschriften wie für »normale« Aktiengesellschaften.

 

Misch- und Sonderformen
Darüber hinaus existieren noch einige Misch- und Sonderformen von Gesellschaften:

  • GmbH & Co. KG (siehe bereits Teil 1)
  • Kommanditgesellschaft auf Aktien (KG a.A., KG aA): Mischform aus AG und KG, mit einerseits Kommanditaktionären (ohne persönliche Haftung) und andererseits mindestens einem persönlich haftenden Komplementär; selbstständig juristische Person; insgesamt selten und bei großen Familienunternehmen zu finden.
  • Eingetragene Genossenschaft: Gesellschaft ohne geschlossene Mitgliederzahl, deren Zweck die Förderung des Erwerbs oder der Wirtschaft ihrer Mitglieder oder derer sozialen/kulturellen Belange durch gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb ist.
  • Ausländische/Europäische Rechtsformen wie die Limited (Ltd.) nach britischem Recht; die Europäische Wirtschaftliche Interessenvereinigung (EWIV) bei grenzüberschreitendem Tätigwerden von mindestens zwei Unternehmen und die Europäische Aktiengesellschaft (SE) für größere Unternehmen, die in mehreren EU-Mitgliedsstaaten tätig sind.

 

Fazit
Während der Vorteil des Einzelunternehmers und der meisten Personengesellschaften darin liegt, dass deren Gründung kein Mindestkapital voraussetzt, nur ein geringer Gründungs- und Organisationsaufwand erforderlich ist und vereinfachte Buchführungspflichten gelten, werden Kapitalgesellschaften gerade wegen den Möglichkeiten der Haftungsbegrenzung auf das Gesellschaftsvermögen bevorzugt. Je nach Gesellschaftszweck, Branche, Zukunftsvision und individuellen Bedürfnissen findet sich nach eingehender Information und Beratung für jeden Unternehmer das passende Kleid für sein Vorhaben.

Eine interessante Übersicht zu den wichtigsten Rechtsformen finden Sie außerdem in unserem Blog, auf den Webseiten der Industrie- und Handelskammern der einzelnen Bundesländer sowie auf der Webseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie.

 

 

 

 

 

Rechtsanwältin Janine Smitkiewicz, LL.M.
Die Autorin ist Partnerin der Kanzlei Auer & Smitkiewicz, Partnerschaft von Rechtsanwälten in München. Ihre Tätigkeitsschwerpunkte liegen im Gewerblichen Rechtsschutz und Urheberrecht mit Fokus auf die Rechtsberatung rund um die Themen Games, Software und Internet.

 

  

 

 

 

 

 Rechtsanwalt Thomas Auer
Der Co-Autor ist Partner der Kanzlei Auer & Smitkiewicz, Partnerschaft von Rechtsanwälten in München. Seine Tätigkeitsschwerpunkte liegen im Gesellschaftsrecht, Erbrecht und dem Recht der Unternehmensnachfolge sowie dem Immobilienrecht.

Informationen über ihre Kanzlei finden Sie unter www.auer-smitkiewicz.de.

 

 

 

 

Wichtiger Hinweis
Der vorliegende Rechtsbeitrag stellt weder eine Rechtsberatung dar noch ersetzt er die Beratung durch einen Rechtsanwalt, bei der die Besonderheiten des Einzelfalls berücksichtigt werden können. Der Beitrag ist abgestimmt auf die der Autorin bei der Veröffentlichung bekannte Rechtsprechung und die herrschende Meinung in der einschlägigen Rechtsliteratur. Es ist nicht auszuschließen, dass einzelne Textpassagen im Lichte eines unbekannten oder nicht veröffentlichten Urteils zu beanstanden sind. Bitte informieren Sie sich über derartige Umstände oder holen im Zweifel fachkundigen Rat ein.

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