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Publisher 2015

Redaktion   //   November 3, 2010   //   0 Kommentare


Der Geschäftsführer von Ubisoft Deutschland über die Folgen der Wirtschaftskrise, die Zukunftsaussichten des klassischen Retail-Geschäfts und die langfristigen Überlebenschancen von unabhängigen Entwicklerstudios.

 

 

Making Games Aktuelle Marktdaten zeigen, dass der Umsatz von Computerspielen stagniert. Ist damit das allgemeine Wachstum der Games-Branche erstmal vorbei oder sehen wir hier eine Spätfolge der Wirtschaftskrise?
Ralf Wirsing Das ist ganz klar eine Spätfolge der Wirtschaftkrise, eine kleine Delle in unserem Wachstumsmarkt, die wir kompensieren müssen. Allein für dieses und nächstes Jahr haben die großen Hersteller wie Sony, Microsoft und Nintendo viele Produkte angekündigt, die neue Impulse für den Marktwachstum setzen werden.

Making Games Viele haben ja lange behauptet: Egal wie schlecht die wirtschaftliche Lage ist – die Leute spielen immer. Woran liegt es, dass sich die Wirtschaftsprobleme nun doch auf die Spieleindustrie auswirken?
Ralf Wirsing Naja, was wir momentan machen, ist doch Jammern auf hohem Niveau. Im Vergleich zu anderen Industriebereichen, die Einbrüche von bis zu 50 % verzeichnen und seit zwölf Monaten nur noch Teilzeit-Arbeiter einstellen, geht es der Spielebranche den Umständen entsprechend immer noch gut. Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass die Spieler aufgrund ihres eingeschränkten Budgets wählerischer in ihrem Kaufverhalten geworden sind und mehr auf ihre Kosten achten -- gerade im Entertainment-Bereich.

Making Games Hört man sich unter Analysten oder auch direkt unter den Spielern um, dann sind vor allem die Face-Book,- Free-to-Play-Games und Downloads im Trend. Wird es das klassische Retail-Geschäft 2015 noch geben?
Ralf Wirsing Selbstverständlich!

Making Games Bleibt also alles wie immer oder wird sich der Marktanteil verkleinern? Was ist deine Prognose?
Ralf Wirsing Durch die vielen neuen Online-Modelle wie Onlife werden sich die Marktanteile sicherlich verschieben, aber der traditionelle Markt wird immer seine Berechtigung behalten. Allein die Online-Verfügbarkeit ist nicht immer so gegeben, wie man sich das vorstellt. Ich war vor kurzem in Deutschland im Urlaub, ohne Internetanschluss und Mobilnetz. Eine hundertprozentige Netzabdeckung, die ich als Grundvoraussetzung sehe, um alles nur noch digital zu machen, ist nach meiner Meinung rein kostentechnisch gar nicht umzusetzen. Außerdem hat nicht jeder Lust permanent online zu sein.

Making Games Ubisoft experimentiert trotzdem mit neuen Geschäftmodellen, vor allem im Free-to-Play-Bereich
Ralf Wirsing Richtig.

Making Games Werden sich die Prioritäten bei Ubisoft damit grundlegend verschieben?
Ralf Wirsing Momentan probieren wir viele Geschäftsbereiche aus, die sich aufgrund von bestimmten Trends entwickelt haben. Zu unserer Firmen-Philosophie gehört es, neue Technologien und Business-Modelle grundsätzlich auszuprobieren und dazu gehören auch Browsergames. Das Geschäftsmodell der Free-to-Play-Games hat eine gewisse Attraktivität und wir möchten antesten, inwieweit es mit unseren verfügbaren Spielemarken und unserem Know-How kompatibel ist. Wir gehen ungern an neuen Möglichkeiten vorbei.

Making Games Du glaubst aber nicht, dass Ubisoft bis 2015 zu einem reinen Social-Games Unternehmen mutiert?
Ralf Wirsing Das halte ich zumindest für sehr unwahrscheinlich. (lacht) Das klassische Business, also die Spielbox im Handel zu verkaufen ist immer noch zu einem signifikanten Prozentsatz unser Hauptgeschäft, und das wird sich auch in den nächsten Jahren nicht ändern.

Die Siedler als Browsergame: »Das Geschäftsmodell der Free-to-Play-Games hat eine gewisse Attraktivität und wir möchten antesten, inwieweit es mit unseren Spielemarken und unserem Know-how kompatibel ist.«

Making Games Einige Stimmen in der Branche behaupten, die Spiele der nächsten Konsolen-Generation werden nur noch als Download zu kaufen sein. Wie lange wird es deiner Einschätzung nach den physischen Datenträger 2015 noch geben?
Ralf Wirsing Nach unseren Erfahrungen möchte ein großer Teil der Spieler eine physische Form des Spiels in den Händen halten. Der Bereich von Sondereditionen bekommt in diesem Zusammenhang eine größere Bedeutung und zeigt uns, dass die Spieler wert auf die Verpackung und weitere Extras zum eigentlichen Spiel legen.

Making Games Stichwort Extras: Wie viel Spiel wird 2015 noch in der Packung sein und wie viel wird als Downloadable Content nachgeschoben?
Ralf Wirsing Ich denke der Trend zu DLCs wird sich weiter fortsetzen. Der DLC wird in Zukunft das klassische Addon ersetzen. Wir stellen fest, dass Spieler in möglichst kurzen Zeitabständen neue Spielinhalte haben möchten. Der Erfolg von DLCs wird aber letztlich von ihrem Preis-Leistung-Verhältnis abhängen.

Making Games Wird sich durch die Entwicklung von Zusatzinhalten für ein Spiel, die man nachträglich erwerben kann, in Zukunft der Grundpreis für ein Spiel ändern?
Ralf Wirsing Ich persönlich glaube nicht, dass sich der Grundpreis für die Spiele verändert. Normalerweise sollten die Download-Inhalte zu einem Spiel zusätzlich generiert sein und das Projekt nicht von Anfang an beschneiden.

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