Entwicklung

Entwicklung eines Social Games auf Facebook

Janette Lipinski, Thomas Rudin   //   Juli 23, 2010   //   0 Kommentare

 

Wie das Social Game Funfari bei Gameforge entstand und welchen Herausforderungen sich Entwickler für die Plattform Facebook stellen müssen.

Die Herausforderungen an den Entwickler und Publisher bei der Entwicklung eines Facebook-Spiels sind vielfältig. Anhand des bei Gameforge entwickelten Facebook-Spiels Funfari möchten wir einige dieser Herausforderungen aufzeigen.
Funfari ist ein Aufbauspiel im Safari-Setting, bei dem der Spieler durch das Anlegen von Äckern, das Pflanzen von Bäumen und die Pflege der Tiere Erfahrungspunkte sammelt und durch Stufenaufstiege immer mehr Flora und Fauna im Shop freischaltet. Zusätzlich kann der Spieler durch Gebäude und Objekte sein Grundstück verschönern.

Das Projektmanagement
Bei der Wahl der Projektmanagement-Methode sollten Entwickler besonders auf die Art der Mitarbeiter und auf deren Wünsche achten. Wir haben Scrum auf die Gegebenheiten unseres Projekts angepasst, die für uns sinnvollsten Punkte der Methode übernommen und ein paar Aspekte an unsere Bedürfnisse angepasst. Wichtig bei der Arbeit mit einer agilen Methode ist vor allem, dass die Mitarbeiter im Team vergleichsweise eigenständig arbeiten und handeln müssen, damit eine transparente und schnelle Kommunikation gewährleistet ist und die Entwicklung ohne Reibungsverluste verlaufen kann.
Ein weiterer wichtiger Punkt -- besonders bei der Anwendung einer agilen Projektmanagement-Methode -- ist die Festlegung des Zeitraums, in dem die Sprints absolviert werden sollen. Bei Funfari haben wir die Sprintdauer auf eine Woche terminiert, was unter anderem die Flexibilität erhöhte. Während der Produktion gab es zwei Zwischen-Milestones, die den groben Entwicklungsverlauf beschrieben. Entgegen der gängigsten Methode, den Multiplayer eines Spiels zuerst zu entwickeln, wurde bei Funfari zunächst die komplette Spielwelt geschaffen und erst im zweiten Schritt die soziale Interaktion implementiert.

Tasks wurden bei der Produktion von Funfari in einem Backlog aufgeführt und nach der Sprintplanung Woche für Woche entnommen und an ein Task Board geheftet.

Das Team
Die Teamgröße und dessen Zusammensetzung sind bei der Entwicklung eines Facebook-Spiels besonders wichtig. Meistens wird bei einer Produktion auf einem sozialen Netzwerk ein großes Team sowohl für die Entwicklung als auch für den Live-Betrieb bevorzugt, damit eine schnelle Entwicklungszeit erreicht werden kann.
Im Kern-Team von Funfari befanden sich ein Product Owner, ein Scrum Master, ein Game Designer und insgesamt fünf Frontend- und Backend-Programmierer. Im Vergleich zu Angaben anderer Social Games Entwickler aus den USA, die mit 20 bis 30 Mitarbeitern ein Spiel produzieren und deren Live-Team ebenfalls in dieser Größenordnung liegt, war das Funfari Team eher überschaubar. Da alle Teammitglieder jedoch sehr erfahren und ein eingespieltes Team waren, diente die geringe Größe zum einen dem Teamgeist und zum anderen der Produktivität bei der Entwicklung. Herausforderungen und auftretende Risiken konnten dadurch schnell gelöst werden.
Die Gameforge-eigene Grafikabteilung fungierte wie ein klassischer Outsourcing Partner. Die Kommunikation für die Bestellung ganzer Grafikpakete sowie deren Abnahmen liefen dabei über den Producer, kleinere Änderungen fanden in direkter Absprache zwischen dem Game Designer und dem betreffenden Grafiker statt. Für die Soundeffekte und die Musik von Funfari wurde Dynamedion als Outsourcing-Partner gewählt.
Am Team selbst wurden während der Produktion keine Änderungen vorgenommen. Um kurze Kommunikationswege zu gewährleisten, saßen alle Beteiligten nah beieinander. Der eingesetzte Scrum Master war für die Einhaltung unseres angepassten Scrum-Prozesses verantwortlich. Darüber hinaus musste er sicherstellen, dass das Team alle benötigten Arbeitsmittel zur Verfügung hatte und vor externen Einflüssen geschützt war. Hierzu zählte vor allem, dass keine Mitarbeiter im laufenden Sprint durch weitere Anfragen abgelenkt wurden. Der Producer stellte bei der Entwicklung die einzige Schnittstelle vom Team nach außen dar und sicherte es dadurch zusätzlich ab. Die komplette Kommunikation, sowie die Überwachung und das Reporting des Projektstandes lagen in seiner Zuständigkeit. Anfragen aus dem Team an andere Abteilungen und umgekehrt liefen stets über seinen Schreibtisch, so dass der Producer immer auf dem aktuellen Wissenstand war.
Bei der Entwicklung eines Facebook-Spiels ist immer zu bedenken, dass dieses vor allem durch Updates in kleinen Zyklen nach Release weiterlebt. Aus diesem Grund wurde das während der Entwicklung eher kleine Team von Funfari nach Release aufgestockt, um wöchentliche Updates und den Live-Betrieb sicherstellen zu können.

Risiken bei der Entwicklung
Bei einer Entwicklung auf Facebook müssen zwei große Themengebiete beachtet werden: die rechtlichen und die technischen Vorgaben der Plattform. Dadurch, dass diese jederzeit vom Plattform-Betreiber (sprich: von Facebook) geändert werden können, muss hierauf besonderes Augenmerk gerichtet werden. Es bedarf also einer großen Flexibilität.
Während der Entwicklung von Funfari musste sich eine Person des Teams ständig über die aktuellen Änderungen auf der Plattform auf dem Laufenden halten, eventuelle Änderungen evaluieren und diese in die Planung mit einbeziehen.
Dies stellte eine große Herausforderung für uns dar, weil Facebook nach Abschluss unserer Pre-Production und der Festlegung unseres Zeitplans bekannt gab, dass bis Mitte 2010 einige gravierende Änderungen am Social Network vorgenommen werden sollten. Die geplanten Modifikationen waren für die Entwickler in einer Roadmap sichtbar und betrafen zum Beispiel die Benachrichtigungen. Diese wurden dahingehend umgestellt, dass der User nur noch eine Nachricht erhielt, wenn Freunde in Facebook auf eigene Kommentare antworteten -- nicht mehr aber, wenn diese dem User in einem seiner Spiele geholfen hatten. Der virale Faktor der Spiele wurde damit eingeschränkt, zugunsten einer Minderung der als Spam empfundenen Mitteilungen.
Es können aber auch technische Ausfälle seitens Facebook dafür sorgen, dass der Zeitplan durcheinander gerät. Wenn Facebook etwa gerade etwas an der API -- der Entwicklungsumgebung der Plattform -- ändert, funktionieren eventuell gewisse Features im Spiel nicht mehr oder die Applikation kann gar nicht erst erreicht werden. So kam es nach dem Release von Funfari mehrfach vor, dass die Applikation nicht aufgerufen werden konnte, was natürlich zu Unmut bei den Spielern führte.
Ein aktuell noch bei Facebook bestehendes Problem: Es können keine unterschiedlichen Berechtigungsstufen in einer Applikation bei Accounts mit Developer Status eingerichtet werden. Jeder Developer Account hat dadurch alle Rechte, womit er unter anderem die Applikation verändern, sie löschen und sie auch veröffentlichen kann. Wenn später mehrere Abteilungen an einer Applikation arbeiten, entsteht dadurch ein erhöhtes Risiko, dass ungewollt Veränderungen an der Applikation vorgenommen werden.

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