Entwicklung

So funktioniert Designdokumentation, Teil 2

Dirk Riegert   //   Juni 27, 2010   //   0 Kommentare

Grundlagen
Als Grundlagen eines Spiels werden alle Rahmendaten sowie strategische und spieltheoretische Aspekte bezeichnet. Viele dieser Punkte können bereits vor der Erstellung des DDD in einem Grobkonzept behandelt worden sein, so etwa die Frage nach dem Genre, der Plattform, der Engine, den Hardware-Voraussetzungen, der Zielgruppe und der so genannten USPs (»Unique Selling Propositions«, also die wichtigsten originären Eigenschaften des Spiels, mit denen es am Markt platziert werden soll). Bei der Fortsetzung einer Spielserie oder einem Franchise Produkt (z.B. einer Filmadaption) kommt noch die so genannte Brand-DNA hinzu, die die unverrückbaren Eckpfeiler der jeweiligen Marke genau definiert.
Zentrale Bedeutung für die Grundlagen hat vor allem das so genannte »Mission Statement«. Es definiert in klaren Worten die Vision des Spiels: Welche Ziele werden angestrebt? Um was für ein Spiel handelt es sich? Was ist das Besondere daran? Je eindeutiger das »Mission Statement« verfasst ist, desto einfacher lassen sich die sechs folgenden Designblöcke davon ableiten. Um es zu vertiefen, empfiehlt es sich, Spielflussbeschreibungen aus Spielersicht oder aus Perspektive der zentralen Spielfigur zu erstellen. So lassen sich emotionale Aspekte und Stimmungen deutlicher herausarbeiten.
Ein weiterer grundlegender Aspekt, der in Designdokumenten manchmal vernachlässigt wird, ist die theoretische Basis des Spiels. Lässt sich der Spielverlauf in Phasen unterteilen? Wie verläuft die Lernkurve des Spielers? Welche Spielertypen werden wie angesprochen? Wie kommt im Spiel der so genannte »Gameflow« auf? Und ganz wichtig: In welchem Verhältnis stehen Herausforderungen und Belohnungen zueinander?

Auszug aus dem Inselguide der Designdokumentation von Anno 1404. Da Inseln zu den wichtigsten Assets gehören, werden sie erst konzipiert, bevor sie gebaut werden.

Spielregeln
Die Beschreibung der Spielregeln umfasst alle im Spiel vorkommenden Features. Sie klärt Funktionsumfang und Ablauf eines Features (Merkmal des Spiels), nicht die einzelnen Assets (Inhalt des Spiels).
Ein Beispiel: Wenn eine Spielfigur Ausrüstungsgegenstände anlegen kann, sollte in den Spielregeln u. a. erfasst werden, welche Wirkungen diese Gegenstände besitzen (Modifikation von Eigenschaften der Spielfigur, Veränderung des optischen Erscheinungsbildes etc.) und nicht welche einzelnen Ausrüstungsgegenstände im Spiel vorkommen können (rote Weste, gelbe Weste, karierte Weste etc.).
Der Grund für diese Unterscheidung: Spielregeln sind komplexer als die Assets und benötigen daher eine andere Form der Dokumentation (z.B. Flowcharts, Diagramme etc.). Sie sind die Grundlage auf der die einzelnen Assets basieren. Während letztere naturgemäß häufig aktualisiert werden, sind die Spielregeln stabiler und benötigen weniger Anpassungen.
Wichtige Punkte die innerhalb des Spielregeln-Blocks behandelt werden sollten, sind die Spielphysik, die Spielsteuerung, verschiedene Spielmodi und KI (Künstliche Intelligenz) von Spielgegnern und Spielumgebung: Wie finden Einheiten ihren Weg? Können sich bewegte Objekte durchdringen oder gibt es eine Kollisionsabfrage? Gibt es Tag- und Nachtwechsel in der Spielwelt? Kann sich das Wetter ändern? Welche Bewegungen und Aktionen kann ein Spielercharakter vollführen? Können Computerspielgegner dasselbe wie ihre menschlichen Gegenüber? Wie reagieren sie auf Aktionen des Spielers?
Diese Punkte sind für das Spielerlebnis einerseits und die tägliche Arbeit der Programmierer andererseits relevant. Es ist ratsam, bei der Spezifikation der Regeln Spezialisten aus den Reihen der Programmierer einzubeziehen, ansonsten kann es bei der Umsetzung zu ungewollten Überraschungen kommen, zum Beispiel weil logische Probleme, unklare Ziele oder technische Limitationen nicht ausreichend bedacht wurden.

Auszug aus dem Artbook von Anno 1404. Jedes zu erstellende Asset wird im Artbook genau beschrieben, damit externe Grafiker das entsprechende Concept Artwork erstellen können.

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