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Im Gespräch mit Jean-Francois Boivin

Redaktion   //   März 5, 2010   //   0 Kommentare

Mit Altair hat Ubisoft in Assassin's Creed eine Ikone geschaffen. Im zweiten Teil wird diese Ikone schon wieder abgelöst -- von einem Helden, der völlig andere Wesenszüge aufweist. Wir sprechen mit dem zuständigen Production Manager über die Hintergründe dieser ungewöhnlichen Entscheidung.

Making Games Was macht einen guten Helden aus?
Jean-Francois Boivin Ein Held ist in erster Linie jemand, der dich zum Träumen bringt, der dich inspiriert. Für mich ist ein Held außerdem jemand, der coole Eigenschaften hat, über die wir alle gern verfügen würden. Schau dir Altair oder Ezio an: Die erklimmen mühelos Mauern und hohe Gebäude. Sie springen völlig ohne Angst vom höchsten Punkt der Stadt in einen Heuwagen. Sie bekämpfen und eliminieren einen Haufen Stadtwachen. Ein guter Held hat Eigenschaften oder Fähigkeiten, von denen du sagst: »Wow, ich möchte das auch können!«

Making Games Wie wichtig sind Spielmechanik und Storytelling für einen Helden?
Jean-Francois Boivin Das Storytelling ist für mich eine Unterstützung der Spielmechanik. Es gibt viele Beispiele für gute Spielmechanik ohne eine fesselnde Geschichte. Andersherum gibt es ebenfalls sehr gute Geschichten mit uninteressanter Spielmechanik. Das ist dann beides irgendwie nur das halbe Erlebnis, ein langweiligeres Erlebnis. Es ist also sehr wichtig, dass man beides miteinander kombiniert.

Making Games
Was muss man tun, um nicht nur einen Helden, sondern eine Ikone zu erschaffen?
Jean-Francois Boivin Der Unterschied zwischen einem Helden und einer Ikone ist für mich, wie überwältigend und einzigartig der Charakter ist. Altair zum Beispiel ist anhand seiner Kleidung und seiner Fähigkeiten sofort erkennbar. Das hebt ihn wirklich von der Masse ab. Er muss einzigartig und supercool sein, so dass man sich auch in 10, 20 oder 30 Jahren noch an ihn erinnert. Unser Assassine hebt sich durch seine Einzigartigkeit von allen anderen Computerspielhelden ab.

Making Games Wie wichtig sind gute Helden um ein Spiel zu verkaufen?
Jean-Francois Boivin Spielen bedeutet für mich, dass ich in eine Welt gezogen zu werde, die nicht mal ansatzweise meiner Realität entspricht. Das ist es, was Spiele so anziehend und beliebt macht. Deshalb sind Helden sehr wichtig. Sie lassen dich das Abenteuer durch sich erleben, sie sind sozusagen eine Erweiterung deiner selbst. Ein inspirierender Held sorgt dafür, dass du ein Spiel kaufen willst, so dass du so großartig wie dieser Held sein kannst.

»Ein guter Held hat Eigenschaften oder Fähigkeiten, von denen du sagst: Wow, das möchte ich auch können!«

Making Games Altair war ernst und wortkarg, Ezio ist humorvoll und eloquent. Warum dieser Wechsel?
Jean-Francois Boivin Wenn du Assassin’s Creed kennst, weißt du, dass gar nicht Ezio oder Altair die eigentlichen Hauptpersonen sind, sondern Desmond Miles. Er lebt in der nahen Zukunft, ungefähr 2012, und wurde von modernen Templern unter dem Befehl von Abstergo Industries entführt. Abstergo Industries hat eine Animus genannte Maschine gebaut, die es erlaubt, vergangene Leben wieder zu erleben, indem sie das genetische Gedächtnis liest. Abstergo will Desmonds Erinnerungen lesen, um ein besonderes Artefakt zu finden. Das erste Spiel war also über die älteren Erinnerungen von 1191 während der Kreuzzüge. Am Ende des Spiels hattest du dann eine Ahnung, wo das Artefakt zu dieser Zeit sein würde. Also werden nun im zweiten Teil aktuellere Erinnerungen gelesen, um zu sehen wo das Artefakt jetzt ist. Man spielt einen Nachfahren von Altair, also einen weiteren Vorfahren von Desmond. Es ist eine neue Zeitepoche, also macht es Sinn, einen neuen Helden zu spielen. Da Ezio sich stark von Altair unterscheidet, war die Entwicklung ein sehr intensiver Prozess. Wir glauben auch nicht, dass es ein großes Risiko ist, den Charakter so sehr zu ändern. Die Zeitperiode ist einfach sehr passend für diese Art von Charakter. Einen Assassinen während des dritten Kreuzzugs einzuführen war auch sehr passend, weil zu dieser Zeit die Hasch?schiyy?n begründet wurde. Altair ähnelt auch sehr stark dem, was die Hasch?schiyy?n in der echten Welt waren. Sie waren eine Art Sekte und ihre Mitglieder waren Mönche und Krieger. Altair benimmt sich wie ein Mönch. Wir wollten mit Altair einen historisch akkuraten Meister-Assassinen entwerfen. Bei Assassin’s Creed 2 haben wir eine komplett andere Geschichte. Ezio ist am Anfang kein Kriegermönch und kein Meister-Assassine. Er ist ein junger Florenzer Edelmann. Er lebt nach dem Motto »Dolce Vita« und geht auf Parties. Er ist ein Kind reicher Eltern, geht Nachts mit seinen Brüdern und Kumpels trinken, fängt Streit an und er ist ein Schürzenjäger. Tagsüber arbeitet er für seinen Vater. Er wiederholt diese Dinge tagein, tagaus. Er hat also keinerlei Sorgen. Und dann passiert dieses tragische Ereignis. Er findet heraus, dass sein Vater ein Meister-Assassine war und er ist gezwungen, in seine Fußstapfen zu treten.

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